E

FELIX KRAMER

"Ich weiß nicht, was schwieriger ist, einen Film in Afghanistan zu drehen oder in zwei, drei Sätzen zu beschreiben, wie es ist, dort einen Film zu machen. Ich versuch’s.

Man ist in einem Land, das man glaubt zu kennen, ohne wirklich mal dort vor Ort gewesen zu sein. Und vielleicht auch froh ist darüber. Denn was ich bis dahin für Bilder im Kopf hatte, wenn ich an Afghanistan dachte, hatte auf mich nichts Beruhigendes. Afghanistan kam in meinen Urlaubsplänen definitiv nicht vor.

Und dann stehe ich plötzlich da, auf ehemaligen Schlachtfeldern, als Soldat, als Krieger verkleidet und suche im Spiel zwischen „Bitte!“ und „Danke!“ den wahrhaften Moment. Und natürlich habe ich mich immer wieder gefragt, was ich dort eigentlich zu suchen habe, richtig und falsch und so. Doch am Ende immer die eine Antwort: Ich bin Schauspieler. UND! ich war ja nicht allein, sondern umgeben von unglaublich talentierten, fleißigen und aufrichtigen Filmschaffenden, auf afghanischer wie auch auf deutscher Seite. Und schnell wurde mir klar, dass es für mich wichtig ist was ich hier mache und am Ende vielleicht noch eine Bedeutung hat, die meinen kleinen persönlichen Horizont übersteigen wird. Sorry, for big thinking moment.

Es war tagsüber unglaublich heiß, grelles Licht und abends kühl und finster. Auf dem Land war es steinig, sehr weitläufig, fast eintönig, wären nicht am Horizont die Ausläufer des Hindukusch. In der Stadt war es unheimlich bunt, als wär man kopfüber in eine Bonbontüte gefallen. Überall Staub. Was diese Reise letztendlich gebracht hat, kann ich jetzt noch nicht genau sagen, doch in einer Sache bin ich mir sicher: Was ich dort erlebt habe, bleibt."

Felix Kramer

!-- SCRIPTS -->